Neue Wärme für alte Häuser

Am 22.05.2023 hatten wir bei einem Außerordentlicher Convent mit der Mehrheit der 26 anwesenden AHAH und 3 Aktiven beschlossen, unsere Heizungsanlagen in beiden Häusern zu erneuern. Dabei ging es darum, was wollen wir – und was können wir uns leisten?
Drei Szenarien und dazugehörige Angebote mit den zu erwartenden Fördermaßnahen lagen nach umfangreichen Recherchen auf dem Tisch:

  1. Gemeinsame Pelletsheizung mit Fernleitung161.120.- € (mit Förderung)
    1. Vorteil: 100 % erneuerbar, technisch bewährt.
    2. Nachteil: Hohe Kosten, großer Lagerraum nötig, ständiger Brennstoffnachschub.
    3. Gesamtkosten: 201.400.- €
    4. Förderung 20 % = 40.280.- €
  2. Gas-Hybridheizungen mit neuer Gasleitung86.520.- € (keine Förderung)
    1. Vorteil: günstigste Investitionskosten.
    2. Nachteil: weiterhin Abhängigkeit von fossilen Energien, unsichere Preisentwicklung.
    3. Gesamtkosten: 86.520.- €
    4. Förderung: 0 %
  3. Luft-Wasser-Wärmepumpen100.50.- € (mit Förderung)
    1. Vorteil: modern, umweltfreundlich, unabhängig von Öl oder Gas.
    2. Nachteil: höhere Anforderungen an Gebäudehülle und Stromversorgung.
    3. Gesamtkosten: 155.000.- €
    4. Förderung 35 % = 54.250.- €

Wärmepumpe im Garten vor M 41 auf kurz vorher einbetonierten Sockelleisten

Nach hitzigen, aber sachlichen Diskussionen stand die Entscheidung fest:
Wärmepumpen sollten es werden.

Die Gründe waren: Zukunftssicherheit, gesetzliche Konformität und die Chance, später mit Photovoltaik den Eigenstromanteil zu erhöhen und damit Betriebskosten zu sparen. Besonders wichtig für uns, die in Aussicht stehenden Fördermittel würden einen erheblichen Teil der Investition abdecken. Schnell war klar, wir bräuchten einen Energieberater.

Zunächst versuchten wir es intern: BB Hasselhoff und BB Mario wurden gefragt, ob sie die Energieberatung übernehmen könnten. Beide mussten jedoch aus beruflichen Gründen ablehnen.
Daraufhin suchten wir mit AHP`s Pneu Hilfe extern – und fanden mit Stiehl Ingenieure aus Hegnach den perfekten Partner. Qualifiziert, erfahren und dem einen oder anderen Bundesbruder persönlich bekannt – das versprach kurze Wege und Vertrauen.
„Wir wollten jemanden, der uns nicht nur Zahlen hinlegt, sondern uns durch den Förderdschungel führt“, fasste AHP Pneu die Entscheidung zusammen.
Der Energieberater übernahm dann auch alle wesentlichen Schritte:

  • Ermittlung des optimalen Heizsystems anhand der Verbrauchsdaten der letzten Jahre.
  • Einreichung der Förderanträge bei den zuständigen Stellen.
  • Koordination der Förderabrechnung.
  • Beratung zur optimalen Anlageneinstellung nach Inbetriebnahme.

Wärmedämmung für M39 und M41

Klar war uns von Anfang an: Eine Wärmepumpe arbeitet am effizientesten, wenn sie mit niedrigen Vorlauftemperaturen auskommt. Deshalb wurden parallel zu dem
Vorhaben die möglichen Dämmmaßnahmen umgesetzt: Der Denkmalschutz machte es uns insbesondere bei M 41 nicht leicht. Bei der vor wenigen Jahren durchgeführten Fenstersanierung durften wir beispielsweise außer der Glas-Neu-Verkittung, die etwas die Zugluft minderte, nichts ändern. Wesentlich mehr brachte da die kürzliche Wärme-Dämmung der Dachböden in beiden Häusern, die unsere Aktivitas, wie bereits 2024 berichtet, unter der Regie von BB Knips in Eigenleistung durchführten.

Ausschreibung und Angebotsphase – technische Vorgaben und Vergleich

Die technischen Anforderungen wurden von Stiehl Ingenieure unter Berücksichtigung der wenigen möglichen Dämmmaßnahen in einem detaillierten Schema erarbeitet. Auf dieser Basis wurden Angebote von den Installationsbetrieben Haug & Sohn und Pfannenstein eingeholt.
Die Wahl des Wärmepumpen-Herstellers fiel auf die Firma Bosch, denn Bosch punktete doppelt.  Die Geräte waren zu diesem Zeitpunkt marktführend in Effizienz und Geräuscharmut und dazu ein deutsches Qualitätsprodukt mit gutem Ersatzteilservice.

Für die Anforderungen in M 39 + M41 wurden die Bosch Luft-Wasser-Wärmepumpe  CS5000AW 38 O, Monoblock-WP, 38 kW ausgewählt.

Die Geräuschentwicklung der Aggregate liegt bei 32–35 dBA – vergleichbar mit einem leisen Kühlschrank, also völlig unproblematisch für die Nachbarschaft.

Die Wahl des Installationsbetriebes fiel 2023 nach dem AC auf Haug & Sohn, mit folgenden Angebots-Summen für die Heizungs-Anlagen:

  • M39: 81.890,17 €
  • M41: 91.293,35 €

Entscheidend waren neben dem Preis vor allem die Erfahrung mit größeren Wärmepumpenprojekten und die gute Serviceerreichbarkeit.
Die Lieferung der Firma Haug & Söhne war ursprünglich für Juli/August 2024 zugesagt, damit die Anlagen rechtzeitig vor der Heizperiode in Betrieb gehen können.

Am 14. September 2023 kam die Förderzusage über 35 % der gesamten, tatsächlichen Kosten:
Maximale Förderhöhe Gesamt:  75.250,00 €

Unvorhergesehene Herausforderungen und Kosten

Noch bevor die Wärmepumpen installiert werden konnten, gab es eine größere Hürde, nämlich den Transport der beiden Aggregate an ihren Aufstellplatz.
Die Wärmepumpen sind keine Leichtgewichte. Da Haug & Sohn die Platzierung am vorgesehenen Aufstellungsort nicht hinbekam, griffen Mitglieder der Aktivitas selbst an und versuchten unter der Leitung von BB Schmetter die auf unserem Parkplatz angelieferten Geräte an ihren Platz neben den Staufenhäusern zu hieven. Es gelang nicht, die Dinger waren viel zu schwer. Ein Autokran musste her, den BB Schmetter dann kurzerhand engagierte. Jetzt konnten die schweren Geräte über die Staufenhäuser einschweben und exakt an ihren Aufstellplatz bei M 39 und bei M 41 auf ein stabiles Fundament passgenau abgesetzt werden, das für M 41 kurz zuvor von einigen Aktiven in Eigenleistung in einer Hauruck-Aktion vor Ort gegossen worden war.

Netze BW verlegt neue Stromleitungen und unsere Aktiven ziehen gleich noch Leitungen für eine spätere PV-Anlage ein

Neue Stromzuleitung
Bei der Inbetriebnahme der Anlagen stellte sich im Nachhinein heraus: Die Stromleitung war zu schwach. Die beiden Häuser hatten bisher eine gemeinsame Zuleitung – zu schwach für den hohen Anlaufstrom von zwei Wärmepumpen. Eine neue, leistungsfähige Leitung musste nun gelegt werden. Paralleldazu haben wir dann gleich noch Leitungen eingezogen, die wir für eine spätere PV-Anlage im oberen Parkplatz-Bereich nutzen wollen. Das Ganze kostete trotz umfangreicher Hilfe der Aktiven auf dem Haus zusätzliche knapp 5000,- €.

Wasserspeicher für die Heizanlage

Wasserspeicher für Brauchwasser

 

Der erste Winter mit neuer Technik
Nach einigen Abstimmungen und diversen Verzögerungen konnten die Anlagen Anfang Oktober 2024 teilweise in Betrieb genommen werden. Ein Zeitpunkt, der so manchen Hausbewohner längere Zeit überhaupt nicht ins Schwitzen brachte. Die Installation erfolgte nämlich so zögerlich, sodass wir im Vorstand die Firma Haug auf zügigere Inbetriebnahme anmahnen mussten und das temporäre Anmieten von Elektrischen Heizkörpern für die Zimmer in den Häusern ins Auge fassten. Es war eine Zeit, die von den Hausbewohnern viel Geduld erforderte, denn die Umrüstung der Heizkörperventile in allen Räumen und der Umbau der neuen Heizzentralen in beiden Häusern waren recht zeitintensiv und aufwendig.
Auch die Räumlichkeiten für die neuen Heizungs-Aggregate wurden nun von BB Knips und einigen Hausbewohnern in beiden Häusern baulich renoviert, neu verputzt und gestrichen.
Seit November 2024 laufen die Wärmepumpen zuverlässig. Die Hausbewohner mussten sich daran gewöhnen, dass die Regulierung der Raumtemperatur künftig anders ist als seither. Die Vorlauftemperaturen sind niedriger, die Heizung reagiert deshalb träger, sie braucht länger um z.B. den Saal aufzuheizen. Dafür läuft das System leise, gleichmäßig und zuverlässig.

Gesamtkosten der Wärmepumpen-Anlage
Nach endgültiger Inbetriebnahme und Abnahme der Wärmepumpen-Anlage durch die Firma Haug & Sohn summieren sich lt. aktueller Planung die ein- und ungeplanten Maßnahmen zu Gesamtkosten für beide Anlagen von 210.000.- €.
Nach Einreichung der aufgebrachten Gesamt-Kosten durch Stiehl Ingenieure erwarten wir von der Förderstelle 73.500.- € als Förderbetrag. Damit errechnen sich für die beiden Wärmepumpen-Anlagen in M39 und M 41 Gesamtkosten von 136.500,00 €. Die Kosten für den Energieberater übernahm unser AHP Pneu.

Betriebskosten
Wie schon berichtet, hat die Stadt Esslingen die geplante Photovoltaikanlage auf dem Parkplatz, mit der wir künftig einen Teil des Wärmepumpenstroms selbst erzeugen wollten, nicht genehmigt. Wir hatten uns entschieden, den Wärmepumpen-Stromtarif der Neckarwerke mit 23 Cent / kWh anzunehmen, mussten dann aber feststellen, dass diese im Nachhinein ca. 41 Cent / kWh in Rechnung stellte. Reklamation auf Reklamation folgte durch unseren BB Schmetter, bis nach etlichen Monaten klar war, dass unsere von Netze BW neu installierten Stromzähler für den Bezug von Wärmestrom nicht geeignet sind. Der Wärmestromtarif der ENBW ist deshalb günstiger, weil die dafür geeigneten Zähler ein zeitlich ferngesteuertes Abschalten des ENBW-Stromanbieters bei Strommangel ermöglichen. Diese Zähler sind aber in unserem Postleitzahlgebiet derzeit gar nicht lieferbar.
Kein Wunder, dass unser BB Schmetter, der im Auftrag von unserem gesundheitlich gehandikapten AH Pneu, die Aufsicht und gesamte Überwachung der kompletten Wärmepumpeninstallation und -Inbetriebnahme übernommen hatte, vor Wut mehrmals fast einen Herzinfarkt bekam, weil er sich über die fehlerhafte Abstimmung zwischen ENBW und Netze BW aufregen musste.
Sobald uns dieser Tatbestand klar war, wechselten wir im Juni 2025 zu dem kostengünstigeren Normal-Strom-Anbieter Lichtblick, der uns 28 Cent / kWh in Rechnung stellt. Bitter für unsere Staufia, wir haben dadurch für diesen Winter ca. 7000 € zu viel bezahlen müssen, die wir jetzt von der ENBW zurückfordern. Die durchschnittliche Höhe der tatsächlich anfallenden Stromkosten können wir wohl erst nach zwei Jahren ermitteln und mit den seitherigen Aufwendungen vergleichen.
Die Wartung der neuen Heizungsanlagen übernimmt ein Fachbetrieb – Kostenpunkt: 1.331,61 € pro Anlage und Jahr. Regelmäßige Kontrolle soll nicht nur Störungen verhindern, sondern auch die Lebensdauer der Technik verlängern.

Teamarbeit, Technik und Traditionsbewusstsein
Die Heizungsmodernisierung war kein „mal eben“ erledigtes Projekt. Sie erforderte:

  • monatelange Planung
  • den Mut, eine zukunftsweisende Technik zu wählen
  • und eine gehörige Portion Eigenleistung der vielen Bundesbrüder.

Am Ende steht ein Ergebnis, das die Staufia fit für kommende Jahrzehnte macht – und gleichzeitig zeigt, wie eine Verbindung Tradition mit technischer Innovation verbinden kann.
Oder wie es BB Schmetter formuliert: „Wir haben nicht nur neue Heizungen eingebaut – wir haben die Zukunft unserer Häuser gesichert.“

Autor: Remis

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